Spermidin ist ein biogenes Polyamin und kommt in allen lebenden Körperzellen vor. Die Substanz rückt immer weiter in den Fokus der Wissenschaft. Durch die Zufuhr spermidinhaltiger Nahrungsmittel könnte das körperliche und geistige Wohlbefinden im Alter gefördert werden.

Der Wunsch nach einem erfüllten Leben

Forscher sind dem Altern schon seit langer Zeit auf der Spur und haben bereits eine ganze Reihe verschiedener Faktoren gefunden, welche die Alterung unseres Körpers beeinflussen oder sie eben auch bremsen können. Einer dieser positiven Faktoren ist Spermidin. Die förderlichen Einflüsse der körpereigenen Substanz auf das Wohlbefinden sind inzwischen in vielen wissenschaftlichen Studien bewiesen. Und sie sind so deutlich, dass Spermidin seitdem einen wahren Boom erlebt.

Spermidin kurz erklärt

Spermidin zählt zur Gruppe der biogenen Polayamine und wird auch Monoaminopropylputrescin genannt. Es entsteht als Zwischenprodukt bei der Bildung von Spermin aus decarboxyliertem S-Adenosylmethionin und dem biogenen Amin Putrescin im Organismus.

Wichtig ist: Spermidin ist ein natürlicher, körpereigener Stoff und kommt bei fast allen lebenden Organismen vor, auch beim Menschen. Und zwar nahezu im ganzen Körper, vor allem jedoch im männlichen Sperma. Auch bei Säugetieren ist die Konzentration in der Samenflüssigkeit der männlichen Tiere besonders hoch. Hier wurde es in den Siebzigerjahren auch zuerst entdeckt, was der Substanz den etwas seltsam anmutenden Namen eingebracht hat.

Warum das Spermidin vor allem im Sperma so reichlich vorhanden ist, ist unklar - manche Forscher vermuten, dass es eine Art konservierende Eigenschaft auf die Spermien hat und das in ihnen enthaltene Erbmaterial schützt.

Der Nutzen von Spermidin in vielen Studien belegt

Spermidin ist also eine körpereigene Substanz, die wir alle in uns tragen. Der Spermidinspiegel ist jedoch starken Schwankungen ausgesetzt: Bei einer Beschleunigung des Stoffwechsels, etwa durch Sport, erhöht er sich, bei einer Verlangsamung, wie etwa durch ungesunde Ernährung, geht er zurück. Mit dem Alter sinkt der Spermidinspiegel generell stark ab [1].

Welchen Einfluss hat Spermidin auf die Zellen?

Spermidin ist ein Schlüsselfaktor bei der sogenannten Autophagie, wie Wissenschaftler inzwischen herausgefunden haben. Die Autophagie ist ein körpereigener Prozess, mit dem Zellen ihre eigenen alten oder beschädigten Bestandteile abbauen und verwerten, also eine Art Selbstreparatur, durch die „Zellschrott“ entsorgt wird und die Zelle funktionsfähig bleibt [2].

Die Autophagie wird auch häufig als „körpereigene Müllabfuhr“ bezeichnet [2].

Mit zunehmendem Alter nimmt die Spermidin-Produktion ab

Dieser natürliche Vorgang funktioniert aber mit zunehmendem Alter immer schlechter: Der Spermidin-Spiegel sinkt, wodurch die Autophagie immer mehr beeinträchtigt wird. Umso wichtiger, den Spiegel durch eine regelmäßige Zufuhr konstant zu halten.

Zahlreiche Studien belegen den Nutzen von Spermidin

Inzwischen wurden die positiven Eigenschaften von Spermidin nicht nur bei Tieren sondern auch beim Menschen durch verschiedene Langzeitstudien, die sich teilweise über viele Jahre erstreckten, wissenschaftlich erforscht. So hat etwa ein internationales Forscherteam unter Leitung der Uni Innsbruck im Rahmen des Tiroler K-Projekts VASCage (COMET, FFG) in einer Langzeitstudie über einen Zeitraum von 20 Jahren Ernährungsdaten von 829 Probandinnen und Probanden ausgewertet und diese mit ihrem Allgemeinzustand verglichen.

In der 2018 veröffentlichten Auswertung der Studie, die international für großes Aufsehen und zahlreiche Medienberichte gesorgt hat, entdeckten die Innsbrucker Forscher die Effekte die andere Wissenschaftler bisher in Laborversuchen an den verschiedenen Modellorganismen (wie etwa Mäusen oder Fliegen) beobachten konnten, auch für Menschen bestätigt. Weitere Studien sind in Zukunft jedoch noch notwendig.

Spermidin sei eine "unabhängige Einflussgröße auf die Lebensspanne", heißt es im Bericht der Forschergruppe der Innsbrucker Universität.

Einfluss auf Gehirn und Gedächtnis

Das von Agnes Flöel geleitete Forscherteam an der Berliner Charité untersuchte in einer sogenannten „SmartAge“-Studie, welchen Einfluss die Verabreichung von natürlichem Spermidin aus Weizenkeimen auf Lernen und Gedächtnis sowie auf die Struktur des Gehirns hat. Teilnehmer der Studie waren ältere Menschen. Die Forschungen ergaben, dass Spermidin Vorteile für das Gedächtnis im Alter aufweist [2].

Warum Spermidin zusätzlich einnehmen?

Wenn nun der Körper sein eigenes Spermidin produziert, warum sollte man es dann zusätzlich einnehmen? Ganz einfach: Weil der Körper vor allem mit zunehmendem Alter selbst nicht mehr genug davon bildet. Die für die Autophagie notwendige Konzentration an Spermidin ist bei älteren Menschen meist nicht mehr vorhanden.

Wo ist Spermidin enthalten?

Spermidin ist in unterschiedlichen Nahrungsmitteln enthalten. Einen hohen Spermidin-Gehalt besitzen Weizenkeime, Soja, reifer Käse, Pilze oder Reiskleie. Um den Spermidin-Spiegel im Körper konstant zu halten ist es empfehlenswert, die Lebensmittel regelmäßig in ausreichenden Mengen zuzuführen oder auf Nahrungsergänzungsmittel zurückzugreifen.

Einnahme von Spermidin in Kapselform

Warum Nahrungsergänzungsmittel mit Spermidin?

Um von den positiven Effekten des Spermidins zu profitieren, müsste man recht große Mengen Spermidin-haltiger Nahrungsmittel zu sich nehmen. Außerdem lässt sich die Spermidinaufnahme durch die Nahrung nur schwer kontrollieren, denn dafür müsste man den ganzen Tag seine Lebensmittel wiegen und ständig rechnen.

Die zusätzliche Einnahme von Spermidin über Nahrungsergänzungsmittel mit hohem Spermidingehalt könnte daher für viele sinnvoll sein.

Fazit

Spermidin ist ein natürliches Polyamin mit vielfältigen, positiven Einflüssen auf das Wohlbefinden. Jeder der Wert auf ein bewusstes und vitales Leben legt, wird unweigerlich früh oder später mit dem Thema Spermidin konfrontiert werden. Weitere Ergebnisse aus Langzeitstudien werden jedoch in Zukunft noch benötigt. Bis dahin kann jeder für sich selbst das Potenzial des natürlichen Powerstoffes entdecken.

Quellen

[1] Medizinische Universität Innsbruck. Download vom 10.03.2020 von [Quelle]

[2] Deutsche Gesellschaft für Neurologie. "Gehirngesunde" Ernährung: wie Essen vor Demenz schützen kann. Download vom 10.03.2020 von [Quelle]

[3] Eisenberg et al. (2016) Cardioprotection and lifespan extension by the natural polyamine spermidine. Download vom 10.03.2020.

[4] S. Kiechl et al. (2018) Higher spermidine intake is linked to lower mortality: a prospective population-based study. Download vom 10.03.2020.